Erst mal Atmen

Erst mal Atmen



Wie kann ich entspannter und leichter Menschen und Ereignissen begegnen?


Das ist eine Frage, die immer wieder bei mir auftaucht; eine Aufgabe, die das Leben mir - gerade in den letzten Wochen in verstärktem Maße - immer wieder stellt; eine Herausforderung, mit der ich, je nach Seinszustand, leichter, angestrengter oder auch gar nicht zurechtkomme.


Gerade lese ich ein inspirierendes Buch, das mir meine ältere Schwester zum Geburtstag geschenkt hat. Der Titel: „Du musst nicht von allen gemocht werden - Vom Mut, sich nicht zu verbiegen“; die Autoren sind zwei Japaner (Ichiro Kishimi, Philosoph/Berater und Fumitake Koga, Sachbuchautor), die sich seit vielen Jahren mit der Psychologie Adlers beschäftigen.


In diesem Buch präsentieren sie den Extrakt aus Alfred Adlers philosophischen und psychologischen Ideen und Lehren als Gespräche zwischen einem jungen Mann und einem Philosophen. Auch wenn der Titel des Buches auf den ersten Blick nicht so viel mit der Überschrift hier zu tun hat, konnte ich Inspirierendes und Anregendes genau für dieses Thema: „Menschen und Ereignissen leichter und entspannter begegnen“ darin finden.


Wie kann es gelingen, Menschen und Ereignissen leichter und entspannter zu begegnen? Ich habe meine jüngere Tochter (gerade im Abi) dazu befragt. Sie meinte: Atmen. Da hat sie unbedingt recht: Wenn es mir gelingt, zu bemerken, dass sich mein Körper oder ein Teil davon anspannt und ich mir erlaube, genau das zu spüren und dabei zu atmen - ein, zwei, drei Atemzüge lang -, dann genügt das erst einmal, wahrscheinlich fühlt es sich allein dadurch schon ein wenig leichter und entspannter an.


Doch zurück zu Adler: Bei ihm fand ich die Idee der Aufgabentrennung. Er führt die Probleme mit anderen Menschen darauf zurück, dass wir nicht bei unseren Aufgaben bleiben. Er sagt: Unsere Anlagen sind das, was wir haben und es geht nicht darum, mit diesen zu hadern oder etwas anderes haben zu wollen, sondern darum, unsere Lebensaufgabe zu erkennen und sie mit unseren gegebenen Anlagen bestmöglich zu erfüllen. Wie unsere Mitmenschen auf uns, unser Sein und Tun reagieren ist deren Aufgabe, um diese Aufgabe brauchen wir uns nicht zu kümmern und zu sorgen!


Für mich war das eine große Erkenntnis, die sofort für ganz viel Entspannung in meinem Körper, vor allem in meinem Kopf, sorgte.

Diese Erkenntnis ist möglicherweise im akuten Fall von Anspannung in der Begegnung mit Menschen nicht sofort anwendbar, dennoch spüre ich etwas sehr Wahres und Entspannendes darin und werde mich damit weiter befassen. Wie so immer hilft uns das Üben in weniger angespannten Situationen für den „Ernstfall“. Also, je mehr ich mir erlaube, zu spüren und zu atmen, egal in welcher Situation oderLage ich mich gerade befinde, desto mehr „lernt“ mein Körper, desto besser erinnern sich meine Körperzellen an diesen Zustand der Entspannung und desto leichter kann ich diesen Zustand der Entspannung auch in herausfordernden Situationen oder bei belastenden Ereignissen abrufen.


Und üben kann ich jederzeit: Sehr empfehlenswert finde ich hier die Erdungsübung nach Tatjana Bach*, die meinem Körper erlaubt, den Kontakt mit und das Getragensein von der Erde zu spüren. Dieses wiederum bringt mich in Kontakt mit meinem Körper, mit dem Spüren. Und da das Spüren meines Körpers nur im Hier und Jetzt möglich ist, kann sich auch meine Wahrnehmung mehr auf den Moment richten. Dadurch habe ich die Möglichkeit, meine Anspannung zu spüren, mir klarer zu werden, und mir mit jedem Atemzug erlauben, die Anspannung gegen Getragensein und Entspannung einzutauschen.


Noch unterstützender bei diesem Üben ist es, mich zu spüren UND im Kontakt mit einem anderen Menschen zu sein (sinnvollerweise ein Gegenüber, das mir wohl gesonnen bzw. geschult ist, Menschen zu begleiten). Also bei mir bleiben können und dürfen, obwohl noch ein Mensch im Raum ist. Zusammen mit der Wahrnehmung, dass ich so sein darf, wie ich gerade bin und der andere Mensch nichts von mir will und nichts von mir braucht. Etwas, das wir leider recht selten erleben konnten in unserem Leben.


Hier noch ein kleiner, mir in diesem Zusammenhang wichtiger, Einschub zum Thema Gefühle: Wir meinen, unsere Gefühle wären wahr und real, tatsächlich sind es jedoch interpretierte Körperempfindungen. Denn als Baby hatten wir keine Worte für unsere Körperempfindungen, diese interpretierten und spiegelten unsere Bezugspersonen für uns und benannten sie nach ihren eigenen Standards, die für uns nicht unbedingt gelten. Auch im Erkennen, dass wir diese Interpretationen ändern können, liegt viel Potential für mehr Selbstregulation und weniger Anstrengung in unserem Leben.


Es gibt also einige Möglichkeiten, um Menschen und Ereignissen leichter und entspannter begegnen zu können: Beginne mit etwas, das dich anspricht (Atmen, Erde spüren, inspirierende Texte lesen, Interpretationen ändern, ...) und bleib dabei, dann wirst du bald merken, dass sich etwas verändert, dass es leichter wird in der Begegnung mit herausfordernden Menschen und Ereignissen.

Du hast es selbst in der Hand, frei wie ein Adler zu werden ;-), anfangen und atmen genügt. Lass dich überraschen.


*die Erdungsübung nach Tatjana Bach kann hier per Mail bei mir angefordert werden.




Patricia Oefelein


(Veröffentlichung Ginkgo 05/06 2020)

Patricia Oefelein

HEILPRAKTIKERIN FÜR PSYCHOTHERAPIE


Schoßraum®-Prozessbegleitung

Transpersonale Prozessarbeit

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